Ein lebendiger Adventskalender in Fellbach

23. Dezember 2019

6 Tage nach Tag X   - „Weihnachten“  –  der Trubel in Bethlehem hat sich gelegt, die Volkszähler und die zu Zählenden sind abgereist.

 

(Hirte sitzt am Tisch in der Kneipe, trinkt, ist fast der Letzte  im Raum; der Gastwirt setzt sich zu ihm)

+Mann, das war eine Woche!

*Das kannst du laut sagen!

+Dauernd kamen Leute am Pferch vorbei und riefen: Ach, wie süß, die kleinen Schäfchen! Kann man die streicheln?  Wie flauschig!!! Sooo schön möchte ich’s auch mal haben: den ganzen Tag in der Natur mit so hübschen braven Tieren. Keine Ahnung haben die! Regen? Kälte? Wölfe? Dürre? Wie schön (spöttisch…)

*So geht’s mir auch: Immer schön im Warmen mit netten Leuten, sagen sie. Immer leckere Reste essen… Dass ich aber um 7 anfange zu kochen und um 2 den letzten Säufertisch abwische, das sehen die nicht. Und dann noch die Zimmervermietung! Zum Glück hilft da meine Frau. Das war ja so was von voll die letzten Tage!

+Ja, da hast du aber auch richtig Kohle gemacht, oder? Ich habe gehört, du hast sogar noch die Bretterbude hinten am Hof vermietet… Da ist doch sonst immer dein Esel drin, oder?

*Hast du eine Ahnung! Ich hätte noch 10 Betten mehr vermieten können, locker! Und warum? Weil alle Welt herumgereist ist und dahin musste, wo er geboren war oder die Eltern herkamen oder was weiß ich – du hast ja die Anordnung vom Kaiser gehört. Wo warst denn du?

+Ich ? Na, was denkst du? Ich komm von hier, meine Eltern und Großeltern waren hier schon Schäfer. Nix mit rumreisen und die Welt angucken und so…

*Ja, da waren hier im Ort wirklich die irrsten Gestalten! Hast du die mit dem Kamel gesehen? Gekleidet wie vom Karneval, mit Turban und bunt gestickten Tüchern. Hätten aber gar nix mit der Zählung zu tun, sagten sie zu meinem Vetter, der den Gasthof „Zur fetten Soße“ hat. Bei dem waren sie nämlich eine Nacht abgestiegen. Naja, ein großzügiges Trinkgeld haben sie gegeben. Und am nächsten Morgen hatten sie es furchtbar eilig, wegzukommen, direktemang wieder heim, obwohl sie ja am Abend erst  sagten, sie wollen nochmal über Jerusalem reisen. Das kommt mir ja schon suspekt vor, so schnelle Planänderungen. Ob da alles mit rechten Dingen zuging?

+Ha, da hast du recht – wir hatten auch so ein irres Erlebnis. Nacht war‘s, die Schafe liegen ruhig da –und plötzlich wird’s taghell, sag ich dir.

*Wie taghell? Du wirst halt verpennt ham und es war schon Morgen J

+Ne, wenn ich es doch sage: Mitten in der Nacht! Und Musik war zu hören. Nicht irgendwelche Saufbolde, die singend heimlaufen. Nein, richtig schön – glaub mir, wenn ich sage: es klang überirdisch schön.

Meine Kumpels und ich, wir waren natürlich erst mal in Panik. Wärst du auch gewesen bei so einer Erscheinung, glaub mir! Aber denkst du, die Schafe, hatten Angst? Keine Spur! Ganz still blieben sie zusammen. Und dann hat plötzlich eine Stimme zu uns gesprochen…

*Ich sags doch: Besoffen warst du!!!

+Nein, richtig deutlich: Ich soll keine Angst haben – nein, WIR sollen keine Angst haben. Wir sollen nach einem Baby suchen, das in einem Stall liegt. Es sei der Messias, hat die Stimme gesagt. Zu uns! Der Messias!!! Ich dachte ich spinne.

*A propos Baby, bei uns ist in dieser Woche nachts auch eines auf die Welt gekommen. So ein Volkszählungspaar, das ich in der Hütte hinten untergebracht hatte. Dafür durften sie dann aber auch ein paar Tage bleiben, ich bin ja nicht so… Da war dann aber auch ein Kommen und Gehen  - alle wollten den Schreihals angucken. Als ob bei uns hier sonst keine Kinder zur Welt kommen…!

+Naja, auf jeden Fall dachten wir: Was machen wir jetzt? Wir gehen doch nicht los und suchen einen Stall und ein Baby. Was sollen wir denn dann mit unseren Schafen machen?! Und was denkst du, was die Leute über uns gesagt hätten, wenn wir gesagt hätten, wir hätten eine Erscheinung gehabt. Ausgelacht hätten sie uns. Und für Saufbolde gehalten. Ne, ne, da haben wir mal schön die Füße still gehalten und nach einer Weile war das Gesäusel  und Geleuchte auch wieder vorbei.

*Recht hast du, man kann ja schließlich nicht einfach die Arbeit stehen und liegen lassen und irgendwelchen Hirngespinsten nachlaufen. Und der Messias wurde ja schon immer wieder mal angekündigt, was hat der bei uns Hirten zu suchen oder in einem Stall? Auf einen König warten wir, nicht auf ein Baby. Befreiung soll er uns schaffen von der römischen Knechterei. Die ganzen Abgaben mal etwas runterschrauben. Und genug Brot für alle wäre auch nicht schlecht.

Aber da können wir ja noch lange warten. Wer kann auch daran glauben, dass er das mal selbst erleben darf!

+Stimmt  -  man muss einfach bodenständig bleiben und der Realität ins Auge schauen…

Realität ist aber, dass tatsächlich der Retter geboren ist  und man "Herzensaugen" braucht, um ihn zu erkennen. Wie wäre es uns wohl damals ergangen? Und wir wissen heute alles ganz genau - und sind wir trotzdem bereit, Jesus im Alltag zu begegnen? Auf Kleinigkeiten achten!