17. Dezember 2018

Wärme - und Licht - kann man teilen

Ein Rollenspiel, dagestellt von den Bewohnern der Wohngruppe der Diakonie

Es war einmal ein Mann. Er besaß ein Haus, einen Ochsen, eine Kuh, einen Esel und eine Schafherde.
Der Junge, der die Schafe hütete, besaß einen kleinen Hund, einen Rock aus Wolle, einen Hirtenstab und
eine Hirtenlampe.
Auf der Erde lag Schnee. Es war kalt und der Junge fror. Auch der Rock aus Wolle schützte ihn nicht.
„Kann ich mich in deinem Haus wärmen?“, bat er den Mann.
„Ich kann die Wärme nicht teilen. Das Holz ist teuer“, sagte der Mann und ließ den Jungen in der Kälte
stehen.
Da sah der Junge einen großen Stern am Himmel. Was ist das für ein Stern?, dachte er. Er nahm seinen
Hirtenstab, seine Hirtenlampe und machte sich auf den Weg.
„Ohne den Jungen bleibe ich nicht hier“, sagte der kleine Hund und folgte
seinen Spuren.
„Ohne den Hund bleiben wir nicht hier“, sagten die Schafe und folgten
seinen Spuren.
„Ohne die Schafe bleibe ich nicht hier“, sagte der Esel und folgte ihren
Spuren.
„Ohne den Esel bleibe ich nicht hier“, sagte die Kuh und folgte seinen
Spuren.
„Ohne die Kuh bleibe ich nicht hier“, sagte der Ochse und folgte ihren
Spuren.
Es ist auf einmal so still“, dachte der Mann, der hinter seinem Ofen saß. Er
rief nach dem Jungen, aber er bekam keine Antwort. Er ging in den Stall,
aber der Stall war leer. Er schaute in den Hof hinaus, aber die Schafe waren nicht mehr da. „Der Junge ist
geflohen und hat alle meine Tiere gestohlen“, schrie der Mann, als er im Schnee die vielen Spuren
entdeckte. Doch kaum hatte der Mann die Verfolgung aufgenommen, fing es an zu schneien. Es schneite
dicke Flocken.
Sie deckten die Spuren zu. Dann erhob sich der Sturm, kroch dem Mann unter die Kleider und biss ihn in
die Haut. Bald wusste er nicht mehr, wohin er sich wenden sollte.
Der Mann versank immer tiefer im Schnee. „Ich kann nicht mehr!“, stöhnte er und rief um Hilfe.
Da legte sich der Sturm. Es hörte auf zu schneien und der Mann sah einen großen Stern am Himmel.
Was ist das für ein Stern?, dachte er. Der Stern
stand über einem Stall, mitten auf dem
Feld. Durch ein kleines Fenster drang das
Licht einer Hirtenlampe. Der Mann ging
darauf zu. Als er die Tür öffnete, fand er alle,
die er gesucht hatte, die Schafe, den Esel, die
Kuh, den Ochsen, den kleinen Hund und den
Jungen. Sie waren um eine Krippe
versammelt. In der Krippe lag ein Kind. Es
lächelte ihm entgegen, als ob es ihn erwartet
hätte.
„Ich bin gerettet“, sagte der Mann und kniete
neben dem Jungen vor der Krippe nieder.
Am andern Morgen kehrten der Mann, der Junge, die Schafe, der Esel, die Kuh, der Ochse und auch der
kleine Hund wieder nach Hause zurück. Auf der Erde lag Schnee. Es war kalt.
„Komm ins Haus“, sagte der Mann zu dem Jungen, „ich habe Holz genug. Wir wollen die Wärme teilen.

                                                                                                                                         Max Bollinger