Fellbacher Adventskalender

14. Dezember 2019

Fasten im Advent

 

Wie schrecklich!

Hinter dem Adventskalendertürchen wartet eine bittere Enttäuschung: Nichts!

Kein Schoklädle steckt hinter dem Türchen mit der 14.

Wie passt das denn in die Adventszeit?

Warum ist es eigentlich so, dass wir im Advent so viel naschen? Zum einen ist es Tradition: Plätzchen backen gehört zur Adventszeit dazu wie die Eier zu Ostern. Auch Stollen, Lebkuchen und Früchtebrot sind mittlerweile Teil der Adventskultur. Für den Rest sorgt die Süßwarenindustrie. Ca. 600 Millionen Euro Umsatz macht diese Branche in Deutschland im Advent.

 

Aber Advent geht auch OHNE diese süßen Leckereien. Klassischerweise ist auch die Adventszeit eine Fastenzeit, viele Hundert Jahre lang bereiteten sich die Christen nicht nur auf Ostern, sondern auch auf die Geburt Christi mit dem Fasten vor.

Auch im Advent dauerte diese Zeit 40 Tage lang - die Sonntage – wie auch bei der katholischen österlichen Fastenzeit üblich – wurden nicht mitgezählt. Das erklärt auch die Bedeutung des 11. November, an dem nicht nur St. Martin gefeiert und mit der Martinsgans noch einmal richtig geschlemmt wurde. In den Karnevalshochburgen wollte man es sich vor der Fastenzeit auch noch einmal richtig gut gehen lassen.

In der katholischen Kirche wurde noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts gefastet, die orthodoxe Kirche macht es heute noch.

Würde Fasten uns nicht auch vor Weihnachten gut tun?

Aktuelle Fastenaufrufe in der Zeit vor Ostern - z.B. die Aktion „7 Wochen ohne“ -propagieren das Fasten als Möglichkeit, durch Verzicht Platz für Veränderungen und neue Perspektiven zu schaffen. Wer fastet kann gegenüber Gott eine fragende Haltung einnehmen und darauf hören, was er zu sagen hat. Dabei sollen auch Alltagsgewohnheiten überdacht und Gott als Kraftquelle des Lebens neu entdeckt werden.

Auch für die Adventszeit wären solche Entdeckungen wahre Schätze!

 

Genauso wie in der vorösterlichen Zeit muss sich der Verzicht nicht unbedingt auf bestimmte Speisen beziehen. Auf manche „Laster“ zu verzichten, kann genauso eine wertvolle Fastenerfahrung sein.

 

Fünf Ideen zum kreativen Verzicht in der Adventszeit:

 

 

Nix ist wirklich nix! Ich schenke nicht einmal „nur eine Kleinigkeit“,

wenn wir eigentlich vereinbart haben, uns in diesem Jahr nichts zu schenken.

 

 

Auf dem Weg zu einem Besuch/einer Veranstaltung

konzentriere ich mich bereits auf das, was ich vorhabe.

Deshalb checke ich keine emails und Nachrichten auf dem Handy.

Auf dem Rückweg nehme ich mir Zeit,

das Erlebte nachklingen zu lassen.

 

 

Beim Plätzchenbacken und der Hausarbeit

bleibt das Radio aus.

Wenn ich Musik will, singe ich selbst.

 

 

Fernsehen gibt’s erst ab 21 Uhr.

 

 

Ich kaufe keinen neuen Weihnachtsschmuck für den Christbaum.

Geschmückt wird wie im letzten Jahr.

 

 

 

Gebet:

Vater, hilf mir, zwischen Weihnachtsfeiern, Gutslebacken und Geschenkebesorgen noch genug Platz zu lassen für die Begegnung mit dir.
Ich möchte mich nicht mitreißen lassen von Kaufrausch, Lichterkettenexzessen und „Last Christmas“ in der Dauerschleife.

Ich möchte nicht aus dem Blick verlieren, welche Botschaft der Advent hat:
Warten und Aushalten, dass du zu uns kommen willst, auch wenn es nicht immer spürbar ist, dass du an unserer Seite bist.

Ich möchte in der kommenden Zeit besonders auch die Menschen in den Blick nehmen und für sie beten, in deren Herzen es nur schwer Weihnachten werden kann. Denen will ich sagen, dass Gott gerade für sie da ist und seine Botschaft gerade ihnen gilt.  Amen