Fellbacher Adventskalender

06. Dezember 2019

Die Legende von Nikolaus und dem Kornwunder


Der Mann, den wir heute "Sankt Nikolaus", den "heiligen Nikolaus",
nennen, lebte vor sehr, sehr langer Zeit. Er lebte vor mehr als
eintausendsechshundert Jahren, im vierten Jahrhundert unserer
Zeitrechnung. Er war Bischof von Myra, einer prächtigen Stadt,
gelegen in einer Gegend der heutigen Türkei.
Damals hatte es in Myra viele Wochen lang nicht mehr geregnet.
Und weil es nicht mehr geregnet hatte, waren die Felder ausgetrocknet
und das Korn verdorrt. Die Bauern konnten nichts ernten, die Müller
konnten kein Mehl mahlen und weil es kein Mehl gab, konnten die
Bäcker nichts backen.
Die Menschen in Myra waren verzweifelt und die Kinder weinten und
bettelten: "Wir haben Hunger. Wir möchten etwas zu Essen!"
Aber ihre Eltern wussten nicht, woher sie noch Brot nehmen sollten, um
den Hunger ihrer Kinder zu stillen. Immer wieder hatten sie das Wenige,
das noch da war, geteilt. Und das Elend wurde von Tag zu Tag größer.
Da rief der Bischof von Myra, Nikolaus, alle Einwohner zusammen, denn
er dachte sich, "da muss doch etwas geschehen, damit die Menschen in
Myra nicht verhungern und unsere Kinder nicht mehr weinen."
Und als alle auf dem großen Platz zusammen waren, befahl der Bischof
ihnen, den Glauben an die Rettung nicht zu verlieren und so beteten sie
zu Gott um Brot.
Am nächsten Tag legte ein großes Schiff im Hafen an. Das Schiff war
auf der Reise nach Rom und mit Kornsäcken voll beladen.
Die Menschen von Myra liefen aufgeregt zum Hafen und riefen: "Wir sind
gerettet! Ein Schiff ist angekommen. Gott hat unser Bitten erhört!"
Aber der Kapitän des Schiffes sagte: "Wir können euch nichts geben,
es ist alles genau gewogen und alles gehört dem Kaiser in Rom."
"Seht doch das Elend in unserer Stadt", rief Bischof Nikolaus.
"Es tut uns leid", antwortete der Steuermann, "aber es ist nun einmal,
wie es ist".
Da nahm sich der Bischof ein Herz und sprach zu der Besatzung des
Schiffes: "Wenn ihr uns einige Säcke mit Getreide gebt, wird euch kein
Leid geschehen. Der Kaiser wird euch nicht bestrafen, denn wenn ihr
in Rom ankommt, wird kein einziges Korn fehlen."
Und als die Männer noch zögerten, setzte er hinzu: "Glaubt mir."
Die Schiffer verließen sich auf das, was Nikolaus sagte. Sie luden viele
Säcke aus. Die Müller fingen an, das Korn zu mahlen. Die Bäcker
heizten die Backöfen. Sie backten frisches, duftendes Brot und alle
konnten sich satt essen.
Und als das Schiff in Rom ankam, so wird bis heute erzählt, fehlte kein
einziges Gramm an der Ladung.

 

Und dann kam tatsächlich noch ein "Nikolaus" und hat Süßigkeiten an die Kleinen und an Omas und Opas verteilt...