21. Dezember 2018

Die Geschichte vom Weihnachtsglöckchen

 

Vor vielen, vielen Jahren lebte in Bethlehem, einer kleinen Stadt in Israel, ein Mädchen. Es hieß Rahel. Ihre Mutter war gestorben, als sie noch ganz klein war. Da blieb ihr nur ihr Vater und der war Schafhirte.  Leider war er nur selten daheim, weil er zusammen mit 3 anderen Hirten die Schafe auf den Weiden nah bei Bethlehem hüten musste, sogar nachts, um die Schafe vor den wilden Tieren zu schützen.

Einmal fand die kleine Rahel im Straßenstaub vor dem Wirtshaus ein wunderschönes Glöckchen aus reinem Silber. Es war so schön und kostbar, dass Rahel es sich lange staunend ansah. Aber wen sie auch befragte, keinem der Leute gehörte das Glöckchen…

So ging Rahel zu der alten und blinden Ruth, um sich von ihr Rat zu holen. Ruth ließ sich das Glöckchen geben, lauschte so lange, bis es ausgeklungen hatte und wandte sich dann an Rahel. „Es ist ein ganz besonderes Glöckchen“, sagte sie. „Du darfst es so lange behalten, bis bei uns einmal etwas ganz Besonderes geschieht. Es wird so wunderschön sein, dass du dafür gern das Glöckchen herschenken wirst!“  „Was wird das sein?“, fragte damals Rahel mit großen Augen. „Und wann wird es sein?“ Da zuckte die alte Ruth mit der Schulter und sagte: “Das weiß ich auch nicht und es wird dir keiner sagen können. Das weiß Gott allein!“ So hob Rahel das Glöckchen wie ihren kostbarsten Schatz auf und wartete auf diesen besonderen Tag.

Und einige Zeit später geschah tatsächlich nachts etwas Seltsames draußen auf den Weiden von Bethlehem. Rahels Vater wachte zusammen mit den anderen Hirten bei den Schafen, als es mitten in der Nacht plötzlich strahlend hell um sie herum wurde, dass die Hirten aufschreckten und vor Angst nicht aus noch ein wussten.  So etwas hatten sie noch nie erlebt! Und dann kamen plötzlich Engel vom Himmel herab und auf sie zu. Die Hirten fielen auf die Knie und wagten sich nicht zu rühren. „Habt keine Angst!“, sagte einer der Engel ganz freundlich zu ihnen. „Gott schickt mich zu euch. Ich will euch etwas Wunderschönes erzählen: heute Nacht ist in dem ärmsten Stall in Bethlehem Gottes Sohn geboren. Er heißt Jesus und liegt in Windeln gewickelt in einer Futterkrippe!“  Sprachlos und mit großen Augen sahen die Hirten den Engel an, als die anderen Engel zu singen anfingen. „Ehre sei Gott im Himmel!“ sangen sie. „Und Friede der Welt und den Menschen!“ Ihr wunderbarer Gesang schallte hoch in den Sternenhimmel und die Hirten spürten bis tief in ihr Herz hinein die Freude, die das Lied und die Worte in ihnen auslösten.

„Lauft zum Stall!“, rief der Engel. Da packten die Hirten alles zusammen und beschlossen, dem neugeborenen Kindlein ein Schaf mit einem jungen Lämmchen zu schenken. Das Schaf hatte so viel Milch, dass sie für das Kind und das Lamm reichen würde. So machten sich die Hirten auf und gingen durch die Nacht nach Betlehem um den allerärmsten Stall mit dem Neugeborenen zu suchen, wie es ihnen der Engel aufgetragen hatte. Doch zuvor holte Rahels Vater noch sein kleines Töchterlein hinzu, damit auch sie das Gotteskind sehen und begrüßen konnte. Als ihr Vater Rahel von den Engeln erzählte, begannen ihre Augen zu leuchten und zu glitzern.            „Jetzt weiß ich, was die alte Ruth gemeint hat, als ich mit dem Silberglöckchen bei ihr war!“, rief sie glücklich. Sie holte das Silberglöckchen, band es dem Lämmchen um den Hals und trug es eilig hinter den Hirten her. Das Lämmchen machte immer wieder „Bäh“ und das silberne Glöckchen klingelte zart und leise dazu.

So geschah es, dass die Hirten nach langem Marsch in der Nacht endlich den Stall fanden. Alles war genau so, wie es der Engel beschrieben hatte. Sie knieten vor der Krippe und beteten das Kind an.  Als die Hirten der Frau das Schaf schenkten, ging auch die kleine Rahel mit dem Lämmchen auf dem Arm zögernd zur Krippe. Staunend und voller Freude betrachtete sie das Kind. Da legte ihr die Mutter des Kindes ganz zärtlich den Arm um die Schulter. Und Rahel fühlte sich so glücklich wie damals, als ihre eigene Mutter noch bei ihr war. „Ich bin Maria!“, sagte die Frau mit lieber Stimme. „Ich danke dir, dass du gekommen bist!“  „Ich bin Rahel!“, sagte Rahel leise. „Das Lämmchen ist auch für euch!“, fügte sie noch hinzu. Dann bückte sie sich und ließ das Lamm aus ihren Armen ganz behutsam auf die Erde gleiten. Dabei klingelte das Glöckchen an seinem Hals ganz zart und hell. „Ist das schön!“, sagte Maria und streichelte das Lämmchen zart. „Wo hast du nur dieses wunderschöne Silberglöckchen her?“, fragte sie dann. „Gefunden!“, sagte Rahel und verbesserte sich dann rasch. „Für das Kind gefunden! Ich will es ihm schenken!“

Und so blieb das zarte Klingen auch noch im Stall, als die Hirten mit der kleinen Rahel schon längst wieder gegangen waren. Das Leuchten und Glitzern blieb aber in Rahels Augen ihr ganzes Leben lang. Jeder liebte es, denn dieses Leuchten und Glitzern kam aus ihrem Herzen heraus.                Das Glöckchen aber klingt bis heute weiter. Immer dann, wenn die Tür zum Weihnachtszimmer geöffnet wird, dann beginnt das Weihnachtsglöckchen leise zu klingen und Weihnachten fängt wirklich an…

 

 

Begleitet wurden wir an diesem Abend von den Jungbläsern des CVJM. Und zusammen hatten alle eine kleine "Glockenausstellung" arrangiert und einen Glckenbaum ...